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Rede an der Kundgebung der Alevitischen Jugend Schweiz

Bálint Csontos

Co-Präsident junges grünes bündnis nordwest
Vorstand Trinationaler Atomschutzverband TRAS
Gemeinderat Ramlinsburg

Kantonsfusion statt Kernspaltung!

Kontakt: 079 956 52 81 | [javascript protected email address]

Nieder mit der Gleichgültigkeit ist das heutige Motto. Nun hat Nadir mir schon gesagt, er sei ein wenig enttäuscht darüber, wie wenige hier erschienen sind. Deshalb muss ich euch, bevor ich beginne, noch etwas wichtiges sagen. Jeder und jede von euch ist 10 mal so mächtig wie jene, die zuhause geblieben sind. Und jeder und jede von euch ist eine Stimme für hunderte, die selber keine Stimme haben.

Liebe Freunde

Der Grund für euer Hiersein ist nicht schön: Im Nahen Osten, so absurd das klingt, stauen sich die Flüchtenden. Jene Menschen, die auf der Flucht sind vor Kriegen, deren Ursachen mehr als wir uns vorstellen können mit uns im sogenannten Westen zu tun haben. So eng ist dieser Zusammenhang, dass kaum jemand einmal wagt, auf die zu zeigen, die wirtschaftlich sowieso profitieren und deren Politiker bei Misserfolgen oder Nichtstun nichts zu befürchten haben, nämlich auf uns. Es sind abertausende Menschen, die alles zurückgelassen haben und unvorstellbar viele weitere in der Zukunft, die ihre Heimat hinter sich lassen müssen, wegen eines Krieges den offenbar niemand beenden will, und jene die es wollen, können nicht oder werden nicht gelassen.

Unter diesen beklagenswerten Umständen ist es aber für mich ein Lichtblick, dass wir alle hier sind. Denn gerade wir in der Schweiz, der internationalen Finanzdrehscheibe, dem wohlhabendsten Land der Welt, stehen in einer besonderen Verantwortung. Wir sind das Land, das problemlos deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen könnten, wir sind das Land, das glaubhaft versichern könnte, im Nahen Osten keine eigenen Interessen zu vertreten sondern nur die der unzähligen Schutzlosen. Wenn da nicht eben die Finanzdrehscheibe wäre, wenn da nicht unser eigener Reichtum wäre.

Glaubt mir, die Bevölkerung ist nicht blind oder dumm. Wir in der Schweiz, wir, das obere Prozent, wissen genau, worauf unser Wohlstand basiert. Wie also können wir das alles wissen und trotzdem tatenlos zusehen, wie tausende verrecken, wie Millionen ein menschenunwürdiges Dasein führen? Jeder Hobbypsychologe, der etwas auf sich hält, würde schlechtes Gewissen und Verdrängung anführen, und läge vermutlich damit nicht so weit daneben. Nur so lässt sich erklären, dass wir uns über vieles nur vage informieren. Obwohl wir doch so starke kurdische, alevitische und türkische Gemeinschaften in der Schweiz haben. Nur so, oder mit purer Ignoranz und mangelndem Gewissen lässt sich das erklären.

Dem jungen grünen bündnis ist jedenfalls das Leid, das in diesem Moment geschieht, nicht egal. Wir haben deshalb einen Anzug geschrieben, der von Thomas Grossenbacher (Grüne) im Grossen Rat eingereicht wurde und letzte Woche eine Mehrheit gefunden hat. Der Anzug fordert eine Städtepartnerschaft mit Städten wie Idomeni, Kos, Lampedusa fordert, um Knowhow, Geld, Material und Personal zur Verfügung zu stellen. So lösen wir zwar nicht die Konflikte im Nahen Osten, aber wir tragen doch etwas bei zur Linderung des Leids der Menschen auf der Flucht. Und in diese Richtung gehen auch sonst unsere Ziele:

1.      braucht es endlich endlich legale Fluchtwege.

2.      muss die Region Basel deutlich mehr Flüchtende aufnehmen. Im Baselbiet sind es im Moment bei einer Bevölkerung von fast 300'000 Personen etwa 2000, weit unter den Möglichkeiten.

3.      Müssen wir den Nahen Osten zuoberst auf die politische Agenda der Schweiz, der Kantone und jeder Gemeinde, speziell der Städte setzen. Dafür braucht es euch alle.

4.      Gibt es langfristig nur eine Lösung: Fragt euch mal, warum Russland jeden Lösungsansatz verhindert. Fragt euch, warum Erdogan und Putin sich gegenseitig blockieren. Warum ist Amerika so interessiert daran, den Konflikt selber zu lösen, warum kommt von den arabischen Staaten so wenig und so zwiespältiges Engagement? Und warum können die Saudis (kommen ursprünglich aus einer unbedeutenden Wüstensekte) mit ihren Milliarden den weltweiten Extremismus finanzieren und schüren? Wo ist die Macht, die im Nahen Osten alles auf der Kippe hält, zwischen Chaos und antidemokratischer Stabilität?

Es ist das Erdöl.

Es gibt nur eine langfristige Strategie im Nahen Osten, und die heisst «Weg vom Öl!» Wir müssen den Kriegstreibern das Geld wegnehmen.

 

Jeder und jede von euch ist 10 mal so mächtig wie jene, die zuhause geblieben sind. Und jeder und jede von euch ist eine Stimme für hunderte, die heute nicht hier sein können.

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