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Wahlkampf oder Zahlkampf?

Mit der Aktualität der Transparenzinitiative zeigt die BaZ der Lokalpolitik, wie mit ihr Geld verdient wird.

Vor etwas mehr als vier Wochen schneite bei vielem GrossratskandidatInnen eine Mail in den Posteingang: Wer möchte, kann auf einer BAZ-Sonderseite der politisch stark interessierten Leserschaft sein Gesicht präsentieren. Zwei Erscheinungstermine für CHF 1600.- oder ein Erscheinungstermin samt BaZ kompakt für CHF 960.-.

Wie man sieht: ein sagenhaftes Schnäppchen.

Ich als junge Studentin war überrascht. Auch hier bedeutet Geld Macht. Selbst mit 40% Rabatt fragte ich mich, wer CHF 1600.- in seinem Wahlkampf Budget „flügge“ hat und das dann in die BaZ investiert. Meine Prognose war eindeutig: Rechte Parteien und auch dort vor allem die älteren Generationen. Überraschen sollte mich die geringe Anzahl der Anzeigen. Ich hatte die Anzahl auf weitaus mehr geschätzt.

Sehnsüchtig erwartete ich also diese Sonderseiten. Am Samstag, dem 24. September und am Samstag, dem 8. Oktober war es endlich so weit.

Wie schon angedeutet war die Anzahl der Inserate wohl auch für die BaZ ernüchternd. In beiden Ausgaben wurde nicht einmal eine Seite gefüllt.

Drei Kandidaten haben es sich geleistet, an beiden Tagen zu erscheinen. Von zehn Porträts gehörten fünf Kandidaten der CVP an, zwei der FDP, zwei der SVP und einer der GLP. Je eine Persönlichkeit hatten FDP, SVP und CVP, welche sich für CHF 1600.- in beiden Ausgaben präsentierte.

Nicht zu ignorieren ist die junge Vertretung der FDP, welche sich gleich zweimal abbilden liess.

Viel geredet, noch nicht viel gesagt. Aus meiner Position ist es unerklärlich, wie die BaZ diese Preise rechtfertigt und dass es tatsächlich KandidatInnen gibt, die diese bezahlen. Hier ist aber jeder seines Glückes Schmied und das respektiere ich.

Schaut man sich aber die Aufmachung dieser Sonderseite vom 8. Oktober an, so fragt man sich, ob diese wirklich ehrlich ist. „Normale“ einzeln geschaltete Inserate (mit ihrem ganz eigenen Budget) sind als solche erkennbar, da sie am Ende einer Seite oder in der Mitte von anderen Inseraten platziert sind. Diese Sonderseite wirkt aber, eingebettet in Titel und Schriftart, stark wie ein Redaktionsinhalt. Zwar fehlt ein Artikel mit einführendem Text und doch werden die Leser von der Aufmachung beeinflusst. Im Gegensatz zur Ausgabe am 24. September, in welcher durch einen Kostenspiegel zur Anwerbung weiterer Kandidaten deutlich wird, dass diese Inserate bezahlte Leistungen sind, wird dies in der Ausgabe vom 8. Oktober nicht kenntlich gemacht. Die Leserschaft kann davon ausgehen, dass diese Wahlempfehlung von der BaZ erstellt wurde.  Dass es sich bei den Inseraten um die bezahlte Sonderseite handelt, bestätigte die BaZ auf Anfrage.

Mit den Preisen für die Inserate selektiert die BaZ ganz gezielt Parteien und Personen nach ihrem redaktionellen Gusto. Diese wird präsentiert, ohne die nötigen Informationen zum Inserat-Erwerb. Nicht zuletzt wird mit der Transparenzinitiative dafür gekämpft, dass Grossparteien finanzielle Möglichkeiten und SympathisantInnen offenlegen, um Wählerinnen und Wählern keine Informationen vorzuenthalten.

Meiner Meinung nach ist die Selektion der BaZ, in Verbindung mit der unklaren Präsentation, untragbar.

Wahlkampf, so musste ich feststellen, hat extrem viel mit einem guten Budget zu tun. Wahlwerbung, Plakate und Inserate kosten Geld. Viel Geld. Parteien und Persönlichkeiten, welche dieses Geld nicht aufbringen können oder wollen, müssen sich anderweitig Aufmerksamkeit verschaffen. Das jgb nordwest darf mit Stolz ein Wahlkampfbudget präsentieren, welches sich für eine Jungpartei zeigen lässt. Trotz allem waren wir in den vergangenen Wochen immer unterwegs, um Defizite anderen gegenüber mit Präsenz und Engagement zu übertrumpfen. Doch nach diesem Wahlkampf, der in vielen Bereichen ein Maximum erreichte, sollte darüber nachgedacht werden, ob Politik nicht wieder mehr mit Inhalten argumentieren sollte, als mit Budget, Flyer und überteuerten Inseraten.

JO VERGEAT

Liste 8, Grossbasel Ost

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